Es ist immer noch Mai, die angekündigten 27 Grad wurden auf unserer Insel definitiv erreicht. Erstaunlicherweise fühlen sie sich nicht nur unter unserem heißen Dach (nein, wir haben kein Blechdach, das Katzen besonders schön finden, sonder nur ein schnödes Pappdach, aber es saugt die Hitze mindestens genauso an wie ersteres, lässt dafür den Regen aber umso besser durch, wenn er nur heftig genug darauf einprasselt) weniger heiß an, sondern auch unten auf der Straße. Die Sonne knallt nicht, hat sich eher schüchtern verschleiert, der Wind bläst frech um die Ecke. Die Kinder sind müde von der Berliner Luft, ein weiterer Sandkastenbesuch also weder vonnöten noch aufgrund der allgemeinen Stimmungslage besonders empfehlenswert. Selbst, wenn ein Besuch auf dem kleinen Spielplatz mit der großen Wasserpumpe für die Kinder attraktiv scheint – ich bin heute der Meinung, eingesandet knirscht genug, da muss nicht auch noch mit Matschepampe nachverputzt und zugeschmiert werden. Ein nächstes Mal kommt bestimmt, der Sommer fängt ja grade erst an, es wird noch einige Gelegenheiten zum Baaz-Burgen bauen geben.
Heute also lieber mit A. + R. in Richtung Café Mo, Eis essen und in die Luft schauen. Wobei es gar nicht so einfach ist, in der L-Straße in die Luft zu schauen, die Augen bleiben auf der Suche nach dem Narrenkastl immer an irgendetwas hängen (wie etwa neulich an dem Bienenschwarm, der die L-Straße vorübergehend unpassierbar machte, aber das ist eine andere Geschichte) oder die Zwerge fordern ihr Eis ein. Welche Sorte soll’s denn heute sein für die jungen Damen? Schokolade oder Erdbeer? Nein?? Ein weißes – nun, das gibt’s nicht so ganz; also ein grünes – Pistazie? Bitteschön, mit drei Jahren und ein paar Monaten ist die Entscheidungsfreiheit der Mädels definitiv schon so weit herangereift, dass DIESE Frage nun mal gar keine Schwierigkeit mehr darstellt. Für die Jungs und Mamas aber doch lieber die traditionelle Erdbeere… klassisch begleitet von lautstarkem – nun ja, Johlen, Gröhlen, Quietschen, bis auch die zwei kleineren Zwerge einsehen müssen: jetzt ist jedes Eis davongelaufen.
Auf zu J., den Freund aller Kinder, hereinspaziert. Leute, die nicht in der L-Straße wohnen oder J. nicht kennen, sind immer etwas verblüfft, wenn die beiden blonden Zwerge ganz selbstverständlich in den düsteren Laden mit den Spielautomaten wandern. Ganz mutig kommt A. heute mit. Was hat sich J. heute ausgedacht? Wundertüten? Tatsächlich, braune Packpapiertüten (Brown Bags? Was da wohl drin ist?!), mit lustigen Motiven, wer ist da drauf? Minnie Maus und Goofy? Die Kinder betreten kulturelles Neuland … und die kleine Mademoiselle möchte allen Ernstes die hübsche lila Kunsthaarsträhne von der Haarspange mit dem Glitzerstern abmachen, die Armbänder findet sie aber wunderschön. Der kleine Monsieur rupft besagte Tüte lieber in Piratenmanier mit den Zähnen auf, der Inhalt ist zweitrangig. Hauptsache:"Ich auch!"
Dazu bekommt jeder noch eine bunte Zuckerkuh, ein mäulchenfüllendes Hybrid aus Gummibär und Marshmellow in pastelligem Gelb oder Rosa, das jedem ernährungsbewusst denkenden Erwachsenen einen Schauder über den Rücken jagt. Davon erzählen wir der Zahnfee mal lieber nichts, oder?
A.+R. bewegen sich nebst Eltern in Richtung Heimat, wir beginnen mit einem lautstarken "Hoppala-Hopp" den Aufstieg ins Dach. Dieser Tag wird definitiv in der Badewanne enden. Mal sehen, ob der importierte Sand für Matschepampe und Baaz-Burg ausreicht.
Ein ganz normaler Nachmittag in der L-Strasse, eigentlich nichts besonderes, aber täglich neu und immer wieder ein bisschen anders. Ob es morgen wohl wieder Pistazieneis gibt?
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