Die lauen Abende im Dschungel hoch über den Dächern der L-Straße sind etwas ganz besonderes.
Einerseits sitzt man hier so weit oben, dass man über alle hinwegschauen kann, andererseits braucht man sich nur einmal über das Geländer beugen und hat den allerbesten Überblick, ohne selbst gesehen zu werden.
Und auch, wenn man fast sicher sein kann, dass sich selten jemand ungeplant, unangemeldet oder unerwünscht (s. letzten Eintrag) bis hier herauf verirrt, so bleibt man an diesen Sommerabenden nicht allein.
So wie gestern etwa. Im wuchernden Grün der Sonnenblumen, durchsetzt von blutroten Blüten (ja, richtig, unsere Sonnenblumen sind nämlich rot, darauf legt der weltbeste Ehemann allergrößten Wert) flattert und tiriliert es plötzlich.
Hoppla! Wer ist denn da? Der Stieglitz (oder einer seiner Nachfahren in der mittlerweile wohl fünften Generation), der uns allspätsommerlich, -herbstlich und –winterlich rote Tupfen auf die bis dahin verblühten Sonnenblumen pinselt und die Kerne aus den trockenen Köpfen pickt?Nein, auf diesen kleinen Freund müssen wir wohl noch ein bisschen warten, aber seinen Vetter hat er schon mal vorgeschickt: den Grünfink!
Vielleicht hat’s dieser kleine Tiefflieger ja genauso gut auf die Sonnenblumen abgesehen, oder aber auf die Dillsamen, Sellerieblüten oder noch ganz unreifen Weintrauben – wobei sich der kleine Kerl an denen wahrscheinlich eher verschluckt.
Weniger flatterhaft, dafür aber mehr im Gleitflug sind diejenigen, von denen eine alleine angeblich noch keinen Sommer macht. Genau: die Schwalben - und es sind so viele, dass wir sicher sein können: Jetzt ist der Sommer eindeutig und unwiderlegbar da. Was für ein Glück.
Wenn Schwalben tief fliegen, soll es Regen geben. Hmmm. Das ist nun hier oben über den Dächern eindeutig Ansichtssache. Ist ein Gleitflug knapp über dem Dach jetzt ein Tiefflug oder ein simpler Überflug?
Überflieger anderer Art gibt es ja nun auch (diese meine ich nicht), selbst wenn der einst inselnächste Zentralflughafen nicht mehr in Betrieb ist und sich zu einem Symbol für urbanen Freiraum entwickelt.
Sie sind vorrangig weiß, blinken aber auch manchmal blau und rot an den Flügelspitzen, flattern in aller Regel nicht und zwitschern eher selten. Ein dumpfes Wummern trifft die Geräuschkulisse wohl eher, nicht störend, aber doch präsent, als Erinnerung daran, dass die Freiheit vielleicht doch grenzenlos ist?
Aber heute – zur Begeisterung unseres großen Kleinen – kreisen wildgewordene Hubschrauber über der Insel. Was die wohl suchen?
Robinson Crusoe? Oder sonstige Schiffbrüchige, die auf der Insel gestrandet sind?
Oder ist etwa ein blinder Passagier aus dem letzten Shuttle ausgestiegen?
Und vielleicht gleitet ja gerade dieser blinde Passagier auf unsere Insel hernieder, landet am Gasometer, und … aber das ist dann wohl eine andere Geschichte.
Wie singt die kleine Große voll Begeisterung?
Ich habe eine Maus geseh‘n, die wollt auf Weltraumreise geh’n.
Sie packt in ihren Koffer ein, was man so braucht als Mäuselein…



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